Sonntag, 6. September 2009

Gen Norden!



Liebe Freunde,
Ich kann es selbst kaum glauben. Ist denn wirklich schon ein Jahr vorbei gegangen? Seit Dienstag bin ich wieder in Deutschland und vieles scheint mir hier fremd. Gerade die direkte Art von uns Deutschen kommt mir schroff und unhöflich vor. Ich hoffe, dass dies nur der übliche Rückkehrer-Kulturschock ist und dass sich dies alles bald wieder normalisiert.
Die letzten Wochen in Korea waren wohl die schönsten während des ganzen Jahres, was vermutlich daran gelegen hat, dass ich mich erst zum Ende hin wirklich eingelebt hatte. Zum anderen hatte ich mir in den letzten Tagen auch viel Zeit genommen, mich von allen Verwandten und Freunden zu verabschieden. Auch den Ausflug an die nordkoreanische Grenze habe ich schließlich doch noch gemacht. Am Ende des Monats habe ich auch meinen Nachfolger kennen gelernt und eingearbeitet.
Zunächst einmal zum Trip in die so genannte DMZ (Demilitarisierte Zone) an der Grenze zu Nordkorea. Anders als der Name es vermuten ließe, ist die DMZ keineswegs friedlich, sondern wohl eine der am schwersten bewachten Gegenden der Welt. Im Waffenstillstand, der den Koreakrieg (1950-1953) beendete, einigten die Kriegsparteien sich darauf, sich zwei Kilometer von der Demarkationslinie zwischen Nord und Süd zurück zu ziehen, wodurch die DMZ entstand. Sie verläuft in der Nähe des 38. Breitengrads, der Grenze, auf die sich die USA und die Sowjetunion nach Ende des zweiten Weltkriegs geeinigt hatten.



Obwohl dieses Gebiet dieser Tage schwer bewacht und voller Landminen ist, kann man es als Tourist besichtigen. Koreaner erhalten jedoch nur schwer Zutritt, da bei diesen immer mögliche Verbindungen zum Norden ausgeschlossen werden müssen, bevor eine Freigabe erfolgt. In der Umgebung gibt es aber eine Reihe von frei zugänglichen historischen Orten, die über die Teilung Korea informieren.
Zum Beispiel gibt es einen Schrein für die durch den Krieg getrennten Familien, der auf dem Bild unten zu sehen ist. Dieser Schrein steht neben der Freiheitsbrücke, die ihren Namen von den Kriegsgefangene erhielt, die „Freiheit!“ riefen, als sie über diese Brücke zurück in ihre Heimat kamen.
Die weiße Brücke führt in die nordkoreanische Stadt Kaesung und den dortigen Industriekomplex . Es gibt in kleinem Rahmen Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd. In ein paar Fabriken produzieren südkoreanische Unternehmen Haushaltsgeräte oder Textilien mit Hilfe günstiger nordkoreanischer Arbeiter. Das wichtigste ist meiner Meinung nach aber, dass die Koreaner beider Staaten in Kontakt kommen und einander kennen lernen können. Gespräche, die nichts mit der Arbeit zu tun haben sind allerding verboten. Zur Zeit liegen die Fabriken aber still, da der Norden immer wieder über diesen Industriekomplex Druck auf die südkoreanische Regierung auszulöst. Der Besuch Bill Clintons vor kurzem hat die Lage aber in wenig entspannt. Auch die Vorsitzende des Hyundai-Konzerns war vor kurzem dort, um einen Ingenieur zu befreien, der Arbeiterinnen zur Flucht verhelfen wollte.

Daneben habe ich einen Infiltrationstunnel besichtigt und die JSA (Joint Security Area), in der Verhandlungen der beiden Koreas stattfinden. Das erste Foto ganz oben zeigt einen nordkoreanischen Grenzsoldaten der JSA. Wie oft an historischen Orten war es auch hier seltsam, die Touristenscharen zu sehen, die sich mit den Relikten oder Soldaten fotografierten.

Wir hatten eine koreanische Reiseführerin. Als wir mit einer Bahn in den Infiltrationstunnel gefahren sind, saß ich neben ihr und einer anderen Reiseleiterin. Sie haben sich auf Koreanisch unterhalten und unsere Führerin meinte irgendwann, wie sehr ihr Ausländer auf den Keks gingen. Die hat sich vielleicht erschreckt, als ich sie danach auf Koreanisch angesprochen hab, dann hat sie sich entschuldigt.
Auch wenn sich viele Südkoreaner mit der Teilung des Landes auseinandersetzen, hatte ich selten das Gefühl, dass der Norden als Bedrohung empfunden wird. Auch die jüngere Generation beschäftigt sich mit der Geschichte und manche die ich kennen gelernt habe, haben nordkoreanischen Flüchtlingen geholfen, sich im Süden zurecht zu finden. Wenn mir jemand eine Karte Koreas gezeichnet hat, um mir die Lage irgendwelcher Städte oder Berge zu erklären, wurde immer zunächst Nordkorea mitgezeichnet und anschließend die Grenze.

Soviel heute erstmal zu meinem Ausflug. Damit die Berichte in angenehmer Länge bleiben, werde ich den Bericht über die Geschehnisse im Kindergarten in den nächsten Tagen hinterher senden.