Sonntag, 6. September 2009

Gen Norden!



Liebe Freunde,
Ich kann es selbst kaum glauben. Ist denn wirklich schon ein Jahr vorbei gegangen? Seit Dienstag bin ich wieder in Deutschland und vieles scheint mir hier fremd. Gerade die direkte Art von uns Deutschen kommt mir schroff und unhöflich vor. Ich hoffe, dass dies nur der übliche Rückkehrer-Kulturschock ist und dass sich dies alles bald wieder normalisiert.
Die letzten Wochen in Korea waren wohl die schönsten während des ganzen Jahres, was vermutlich daran gelegen hat, dass ich mich erst zum Ende hin wirklich eingelebt hatte. Zum anderen hatte ich mir in den letzten Tagen auch viel Zeit genommen, mich von allen Verwandten und Freunden zu verabschieden. Auch den Ausflug an die nordkoreanische Grenze habe ich schließlich doch noch gemacht. Am Ende des Monats habe ich auch meinen Nachfolger kennen gelernt und eingearbeitet.
Zunächst einmal zum Trip in die so genannte DMZ (Demilitarisierte Zone) an der Grenze zu Nordkorea. Anders als der Name es vermuten ließe, ist die DMZ keineswegs friedlich, sondern wohl eine der am schwersten bewachten Gegenden der Welt. Im Waffenstillstand, der den Koreakrieg (1950-1953) beendete, einigten die Kriegsparteien sich darauf, sich zwei Kilometer von der Demarkationslinie zwischen Nord und Süd zurück zu ziehen, wodurch die DMZ entstand. Sie verläuft in der Nähe des 38. Breitengrads, der Grenze, auf die sich die USA und die Sowjetunion nach Ende des zweiten Weltkriegs geeinigt hatten.



Obwohl dieses Gebiet dieser Tage schwer bewacht und voller Landminen ist, kann man es als Tourist besichtigen. Koreaner erhalten jedoch nur schwer Zutritt, da bei diesen immer mögliche Verbindungen zum Norden ausgeschlossen werden müssen, bevor eine Freigabe erfolgt. In der Umgebung gibt es aber eine Reihe von frei zugänglichen historischen Orten, die über die Teilung Korea informieren.
Zum Beispiel gibt es einen Schrein für die durch den Krieg getrennten Familien, der auf dem Bild unten zu sehen ist. Dieser Schrein steht neben der Freiheitsbrücke, die ihren Namen von den Kriegsgefangene erhielt, die „Freiheit!“ riefen, als sie über diese Brücke zurück in ihre Heimat kamen.
Die weiße Brücke führt in die nordkoreanische Stadt Kaesung und den dortigen Industriekomplex . Es gibt in kleinem Rahmen Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd. In ein paar Fabriken produzieren südkoreanische Unternehmen Haushaltsgeräte oder Textilien mit Hilfe günstiger nordkoreanischer Arbeiter. Das wichtigste ist meiner Meinung nach aber, dass die Koreaner beider Staaten in Kontakt kommen und einander kennen lernen können. Gespräche, die nichts mit der Arbeit zu tun haben sind allerding verboten. Zur Zeit liegen die Fabriken aber still, da der Norden immer wieder über diesen Industriekomplex Druck auf die südkoreanische Regierung auszulöst. Der Besuch Bill Clintons vor kurzem hat die Lage aber in wenig entspannt. Auch die Vorsitzende des Hyundai-Konzerns war vor kurzem dort, um einen Ingenieur zu befreien, der Arbeiterinnen zur Flucht verhelfen wollte.

Daneben habe ich einen Infiltrationstunnel besichtigt und die JSA (Joint Security Area), in der Verhandlungen der beiden Koreas stattfinden. Das erste Foto ganz oben zeigt einen nordkoreanischen Grenzsoldaten der JSA. Wie oft an historischen Orten war es auch hier seltsam, die Touristenscharen zu sehen, die sich mit den Relikten oder Soldaten fotografierten.

Wir hatten eine koreanische Reiseführerin. Als wir mit einer Bahn in den Infiltrationstunnel gefahren sind, saß ich neben ihr und einer anderen Reiseleiterin. Sie haben sich auf Koreanisch unterhalten und unsere Führerin meinte irgendwann, wie sehr ihr Ausländer auf den Keks gingen. Die hat sich vielleicht erschreckt, als ich sie danach auf Koreanisch angesprochen hab, dann hat sie sich entschuldigt.
Auch wenn sich viele Südkoreaner mit der Teilung des Landes auseinandersetzen, hatte ich selten das Gefühl, dass der Norden als Bedrohung empfunden wird. Auch die jüngere Generation beschäftigt sich mit der Geschichte und manche die ich kennen gelernt habe, haben nordkoreanischen Flüchtlingen geholfen, sich im Süden zurecht zu finden. Wenn mir jemand eine Karte Koreas gezeichnet hat, um mir die Lage irgendwelcher Städte oder Berge zu erklären, wurde immer zunächst Nordkorea mitgezeichnet und anschließend die Grenze.

Soviel heute erstmal zu meinem Ausflug. Damit die Berichte in angenehmer Länge bleiben, werde ich den Bericht über die Geschehnisse im Kindergarten in den nächsten Tagen hinterher senden.

Montag, 8. Juni 2009



Ich glaube, selbst in Deutschland hat man mitbekommen, dass im letzten Monat in Korea einiges geschehen ist, naemlich dass sich der ehemalige Praesident Roh Mu Yeon das Leben genommen und Nordkorea einen weiteren Atomtest durchgefuehrt hat.
Waehrend die suedkoreanische Bevoelkerung von den Aktivitaeten des Nordens anscheinend vollkommen unbeidruckt geblieben ist (ein Verwandter meinte sorglos, "ein koreanischer Krieg wuerde beide Koreas vernichten. Die Raketen werden nur nach Japan fliegen."), ist es schwer die Bestuerzung in Worte zu fassen, die das gesamte koreanische Volk ergriffen hatte, nach dem ploetzlichen Selbstmord des Expraesidenten in Folge eines Bestechungsskandals, in den unter anderem dessen Ehefrau, sein Sohn, sein Neffe und sein Sekretaer verwickelt waren. Dem ehemaligen Praesidenten selbst konnte aber keine Verbindung nachgewiesen werden. (Der Sekretaer hat sich zu seiner eigenen Rolle dabei folgendermassen geaeussert: "Ja, ich habe Einkaufsgutscheine im Wert von 50.000$ erhalten, aber da war ich betrunken. Und als ich die Gutscheine wieder zurueckgeben wollte, hatte meine Frau die schon alle ausgegeben.")
Kurz nachdem der Tod bekannt geworden war, kam es zu spontanen Versammlungen von Trauernden und in kuerzester Zeit wurden ueberall im Land Schreine errichtet, an denen man seine Kondolenz erweisen konnte. In den folgenden Tagen liefen mehrere Kerzenzuege durch die Stadt, wie vermutlich auch im Rest des Landes. Nach einer Woche der nationalen Trauer wurde in einem ehemaligen Koenigspalast eine abschliessende Trauerfeier abgehalten. Dass der Leichenzug eines Politikers von einer in Traenen aufgeloesten Menschenmege aller Altersgruppen begleitet werden kann, war fuer mich bis dahin unvorstellbar. Ich persoenlich bin froh ueber jeden Politiker weniger, und habe so jeden, der mir ueber den Weg gelaufen ist um eine Erklaerung dieser Vorgaenge gebeten. Von allen Seiten wurde mir geschildert, aus welchen armen Verhaeltnissen der Praesident kam, wie aufrichtig er gewesen sei und dass er immer die Interessen des Volkes vertreten habe. All diese Erklaerungen sind an mir nicht nur verstaendnislos abgeprallt, vor allem hat mich die Gleichgueltigkeit der Bevoelkerung in Bezug auf die Bestechungsgelder erstaunt. Anscheinend ist Korruption unter den Politikern eine normale Sache. Wenn mich die ganze Sache sonst nichts gelehrt hat, so haben mir die einwoechigen Trauerfeiern und Streitereien der Anhaenger und Gegner Rohs doch wieder einmal vor Augen gefuehrt, was fuer ein leidenschaftliches Volk die Koreaner sind.



Auch in unserem Kindergarten hat sich einiges getan. Wir sind in den Zoo gefahren, haben eine neue Kollegin aus den USA und haben einen neuen Namen "Liebe Baum". (Obwohl deutsch, ist dieser Name nicht von mir. Da Waldorfpaedagogik mit Deutschland stark verbunden ist, hat die Leiterin diesen Namen ausgesucht - obwohl keiner der Eltern anfangs daraus schlau wurde.)

Fuer mich privat war das wichtigste Ereignis letzten Monats, das Eintreffen der Resulte eines Englischsprachtests. Ich habe ihn erfolgreich bestanden und somit die Aufnahmebedingung fuer ein Mathematikstudium am Imperial College, London erfuellt. (Allerdings liegen auf meinem Schreibtisch immer noch die Immatrikulationsunterlagen der ETH Zuerich. Zwischen diesen beiden Universitaeten kann ich jetzt waehlen, aber gleucklicherweise habe ich fuer die Entscheidung noch einen Monat Zeit.) Nun habe ich nicht nur einen fuer mich wichtigen Schritt in die Zukunft gemacht, sondern habe endlich das Lernen hinter mir und kann mich erfeulicheren Taetigkeiten widmen. Zudem ist auch mein Appetit wiedergekommen! Nachdem mir acht Monate lang von allen Seiten gesagt wurde, dass ich magerer und aelter geworden sei, hat das jetzt hoffentlich ein Ende.

Dienstag, 14. April 2009

Der Winter ist vorbei und endlich hat der Fruehling in Korea Einzug gehalten. Und wie jedes Jahr habe ich mir auch diesen Fruehling ein Erkaeltung eingefangen, da mich der Anblick der ersten gruenen Blaetter stets dazu verleitet, bloss ein T-Shirt zu tragen und bei offenem Fenster zu schlafen. Der gesamte Kindergarten war fuer ein paar Wochen erkaeltet, ich hoffe, dass war nicht meine Schuld.
Der Jahreszeit entsprechend hat das Gaertnern angefangen. Jetzt gibt es zum Essen selbstgezogene Kartoffeln, Spinat und anderes Gemuese. Ich hoffe wirklich, die Beeren und das Obst waechst mit demselben Erfolg.


Auf dem Photo seht ihr unseren Busfahrer, Hausmeister, der offensichtlich auch unser Gaertner ist. Der kleine Junge neben lernt in einem unglaublichen Tempo und erstaunt mich immer wieder mit seinem Wissen. Mal erlaeutert er mir unser Sonnensystem, erzaehlt mir von Dinosauriern oder erklaert mir auf Englisch die Bedeutung chinesischer Schriftzeichen. Dann spielt er noch Klavier - beaengstigend.


Jeden Monat bereiten wir eine fuer die Jahreszeit typische Speise zu und nun, wo die Tage waemer werden, knuepfen wir an eine koreanische Tradition an und machen unsere eigene Sojasauce. Sie gaert nun noch einen Monat sich hin dem grossen Steinpott, der auf dem naechsten Bild zu sehen ist.

Dieser Steinpott ist essentiell fuer die koreanische Kueche. Im letzten Bericht (lang ist's her) habe ich die Fuelle von Beilagen einer koranischen Mahlzeit angesprochen. Ein Grossteil davon sind eingelegtes Gemuese, Pasten oder Saucen, die alle in einem solchen Pott gaeren. Diese standem meist in einer abgelegen Ecke des Gartens, vielleicht wegen des Geruchs, der einige Kinder bei der Zubereitung das weite suchen liess.
Wenn die Sonne scheint, oeffnen wir nun jeden Tag unseren Pott und nachts oder wenn es regnet, schliessen wir ihn. Da dies frueher stets die Aufmerksamkeit der Hausfrau beanspruchte, sagt man in Korea von einer hingebungsvollen und liebenden Mutter, dass sie ihre Augen auf dem Eingemachten hat. Und so gibt es 며초 das Sprichwort: "Willst du einen Haushalt pruefen, probier das Eingemachte."

Ich weiss, dass ich meine Berichte sehr vernachlaessigt habe. Da ich mich mit laengeren Berichten wie den beiden vorigen schwer getan habe, moechte ich es nun mit kuerzeren (und haufigeren) wie diesem versuchen. Abschliessend noch eine Photographie, die zeigt, wie ich zur Zeit aussehe.

Samstag, 17. Januar 2009

Bericht 2#

Hallo liebe Freunde,

bitte habt Verstaendnis dafuer, dass ich in letzter Zeit meine Berichte vernachlaessigen musste. Ich hatte mich fuer die Aufnahmepruefung der Universitaet von Cambridge vorbereitet und bin fuer diese auch nach England gereist. Da ich aber so lange nicht geschrieben habe, hat sich hier natuerlich einiges getan, wovon berichet werden soll:
Wir haben einen Bauernhof besucht, die Kinder wurden geimpft, wir haben Weihnachten gefeiert, es gab eine Verkehrsschulung, Praktikantinnen sind gekommen und gegegangen, fuer die Eltern gab es und Einfuehrungen in Waldorferziehung und Kunsttherapie, wobei Bilder der Kinder gezeigt wurden, und vieles mehr. Aber bevor ich zu dem vielem Aussergewoehnlichen komme, will ich erst einmal einen normalen Arbeitstag zusammenfassen:


Anfangs dachte ich, ich wuerde mich nie daran gewoehnen, aber inzwischen nehme ich jeden Tag ein koreanisches Fruehstueck zu mir, das aus Reis, Suppe und verwirrend vielen Beilagen besteht und sich in meinen unkundigen Augen nicht von Mittag- und Abendessen unterscheidet. Auf dem Bild unten seht ihr in der Mitte Reis, etwas weiter vorne die Suppe und ansonsten: Beilagen.
Die ersten Kinder treffen gegen 9 Uhr ein. Bis dahin gibt es zur Zeit nicht mehr zu tun, als Gerstentee zu kochen, da bei den derzeitigen Temperaturen zwischen -5 und -10 Grad ein heisses Getraenk dringend Not tut.
Die Kinder begruesen die Lehrer natuerlich auf Koreanisch mit einer kleinen Verbeugung und mich mit einen "good morning, Hans-Seonsaengnim" und einem kleinen Wink.
Seonsaengnim, auf Koreanisch 선셍님, bedeutet schlichtweg Lehrer. In Korea sind solche Titel ein essentieller Bestandteil des Namens, der auf gar keinen Fall weggelassen werden darf. Jemanden nur mit seinem Namen, oder schlimmer noch mit seinem Vornamen anzureden, waere eine grobe Unverschaemtheit. So ergab es sich auch, dass viele meiner Kolleginnen weder den Namen unserer Koechin, unseres Hausmeister noch den unserer Leiterin kannten, da man einander einfach mit dem Titel ansprach, wodurch selbst die Frage nach dem Vornamen ueberfluessig wurde. Dies ist nur ein Aspekt der meines Erachtens nach sehr hierarchischen koreanischen Gesellschaft, aber eine ausfuehrlichere Einfuehrung in diese uebersteigt den hier geboten Platz und meine Kenntnisse.
Nach ihrer Ankunft also raeumen die Kinder ihren kleinen Ranzen weg, der ihr Essgeschirr und einen kleinen Kalender enthaelt. Bis um 10 Uhr spielen die Kinder fre:, in der kleinen Spielkueche, mit den Baukloetzen, malen, weben oder stricken. Es ist ueberaus spannend, zu beobachten, wie sich die neuankommenden Kinder verhalten. Mal, kann das ganze Spielgeschehen geaendert oder gar unterbrochen werden, mal zoegert das Kind aber und entscheidet, alleine zu spielen. Meine Aufgabe waehrend dieser Zeit ist es, zu stricken, zu weben, zu naehen also selbst handwerklich taetig zu sein, die Bastelarbeiten fuer den Nachmittag vorzubereiten oder mit den Kindern zu spielen und ihnen so ein bisschen mehr Englisch naeher zu bringen.

Ich wuerde gerne mit den Kindern das Fuehstueck vorbereiten, aber dies muss noch besprochen werden, da die Eltern und Lehrer noch ein wenig bedenken haben, was den Umgang mit Messern angeht. Ein Kind hat sich vor einiger Zeit an einer Muschel geschnitten, daher moechte man hier solche Dinge vorsichtiger angehen.
An das freie Spiel schliesst sich der Morgenkreis an, der mit einem Gruss und einem Gebet begonnen wird. Anschliessend singen wir Lieder und machen Fingerspiele, die uebrigens ausgezeichnet sind, um den Kindern ein wenig Englisch beizubringen. Schliesslich verkuendet die Erzieherin den Tagesablauf, verteilt ein wenig Oel fuer die Haende und das Fruehstueck beginnt. Nach dem Tischgebet gibt es je nach Wochentag Milch oder Obst und immer etwas Fisch und Mandeln, die zur Zeit in Korea enorm populaer geworden sind.

Nach dem Fruehstueck ist es 11 uhr und somit zeit fuer den taeglichen Spaziergang in den Park, von dem ich in meinem ersten Bericht so geschwaermt habe. Meist dauert er ein 3/4 Stunde, mal etwas mehr oder weniger. Waren wir im Herbst nur eine von vielen Kindergartengruppen im Park, sind wir nunmehr die einzigen, die trotz der eisigen Temperaturen nach draussen gehen.
Zurueck im Kindergarten, nachdem die Kinder ihre Haende gewaschen haben, ist es Zeit fuer das Mittagessen, das wie gesagt dem Fruestueck zu gleichen scheint: Reis, Suppe und viele Beilagen. Eine Beilage, die aber nie fehlen darf, ist Kimchi (김지) oder ersatzweise Ggagdugi (깍두기). Kimchi ist sehr scharfer in Salz und Paprika eingelegter Chinakohl, Ggagdugi ist eingelegter Rettich. Die Zubereitungsarten variieren von Region zu Region, wobei manche Regionen fuer ihr ausgezeichnetes Kimchi beruehmt sind. Auf jeden Fall ist es ein koreanisch Nationalgericht und gehoert angeblich zu den fuenf nahrhaftesten Speisen ueberhaupt.
Das Foto zu Beginn des Artikels zeigt uebrigens meine Klasse, die nach dem Mittagessen darauf wartet, die Zaehne zu putzen.
Nach dem Mittagessen beginnt das Nachmittagsprogramm. Feste Bestandteile sind das Putzen des Klassenzimmers am Freitag, die Teezeremonie (다도 - “Tado"), Eurythmie und Englischunterricht, den ich in einem anderen Bericht genauer beschreiben will. Daneben gibt es noch verschiedene handwerkliche Taetigkeiten, einmal im Monat kochen wir gemeinsam, einmal im Monat gibt es eine Geburtstagsfeier. Ihr seht also, ich kann es mir nicht leisten, so selten zu schreiben, da ich kaum den vielen Taetigkeiten hinteherkomme, die hier stattfinden.
Und auch der koreanische Alltag blieb bis jetzt unerwaehnt. Dieser ist natuerlich unvermeidlich, auch wenn ich nach einem Arbeitstag meist zu erschoepft bin, um irgendetwas zu unternehmen, und die Wochenenden meist bei Verwandten verbringe.

Montag, 17. November 2008

Spinnen!

WARNUNG: DIESER POST BEINHALTET GROSSE FARBFOTOS VON INSEKTEN UND ANDEREN KRIECHTIEREN MIT MEHR ALS 4 BEINEN!
WER VOR SOLCHEN BILDERN ANGST HAT, SOLL BITTE NUR DAS BILD VOM SCHMETTERLING AM ENDE DES POSTS ANSCHAUEN!
_______________________________________________
So sehr ich den scheinbar endlosen Sommer auch geliebt haben mag, aus einem Grunde bin ich froh, dass nunmehr die kalten Tage eingebrochen sind:

Die Insekten sterben.

Diese Aussage mag dem einen oder anderen grausam oder einfach nur geschmacklos erscheinen, aber in Korea hat das Problem eine ganz andere Dimension als man das in Deutschland kennt. Ich beziehe mich hierbei nicht auf die Muecken, die mich unzaehliger Naechte beraubt und deren Stiche mich durch meine Anfangszeit begleitet haben. Nein, ich spreche von Spinnen (sind das eigentlich Insekten?), an die zu denken mich bereits vom Schlafen abgehalten hat!

Seht selbst:

Links im Bild seht ihr meinen Finger, den ich todesmutig neben das Monster gehalten habe, um euch eine Vorstellung von der Groesse geben zu koennen!

Hier Bilder einer Gottesanbeterin (Laenge ca. 12 cm), die sich auf unsere Terrasse verlaufen hat:

Der Vorderleib eine Heuschrecke, ungefaehr 3 cm lang:

Hier das versprochene Bild vom Schmetterling! Ach, und vermisse ich den Sommer wieder.

Und hier fuer die Freunde simpler Scherze: Die kluegste Ameise der Welt!

Samstag, 15. November 2008

Einfuehrung


Liebe Freunde - 안녕하세요!

Viele liebe Gruesse aus Sued Korea. Habt Dank fuer all die Unterstuetzung, die ihr mir habt zukommen lassen. Ihr musstet lange auf eine Nachricht von mir warten. Bitte entschuldigt, wie ihr sehen werdet, hatte ich sehr viel um die Ohren. Jeden Tag erlebe ich neue Dinge, staendig muss irgendetwas erledigt werden. So vergeht die Zeit wie im Fluge und ich kann selbst kaum glauben, dass seit meiner Ankunft schon ein Monat vergangen sein soll.

Zunaechst einmal, es geht mir gut. Obwohl die ersten Wochen zwar koerperlich und seelisch sehr belastend waren, hielten mich all die neuen Eindruecke in einem Zustand staendiger Begeisterung. Ich hatte natuerlich auch nicht erwartet, dass die Ankunft leicht werden wuerde. Schwieriger als der Zeitunterschied aber waren die Verstaendigungsprobleme zu ueberwinden und gaenzlich ueberwunden sind sie noch nicht. Waehrend mir alle Mitarbeiter mit unglaublich viel Verstaendnis entgegenkommen, hatten die Kinder es schwerer, mit der neuen Situation umzugehen. Da ich mit den Kindern ja primaer Englisch rede, ergaben sich einige Missverstaendnisse, leicht vermeidbar gewesen waeren, wenn ich des Koreanischen maechtiger gewesen waere. Der Arbeitsalltag erfordert oftmals schnelle Entscheidungen und man hat nicht immer die Zeit, die Dinge auf Englisch so zu erklaeren, dass auch ein Kind sie versteht.
Aber mittlerweile vertrauen die Kinder mir, auch wenn sie mich nicht ganz verstehen, und auch ich vertraue ihnen, wodurch vieles erleichtert wird.


Der Kindergarten ist wunderschoen eingerichtet. Zwischen all den Hochhaeusern Bundangs wirkt das kleine Haus wie ein Fremdkoerper, wo man statt Computern und Glas Holzwaende und Stoffpuppen findet. Im Erdgeschoss des Kindergarten befinden sich die drei Gruppenraeume, die Kueche und das Bad, im Kellergeschoss der grosse Musiksaal, zwei Raeume in denen gemalt und gebastelt wird, ein grosses Buero und mein Zimmer, das nunmehr fertig eingerichtet worden ist, nachdem die Moebel an meine Groesse angepasst worden sind. Ich betreue die aelteren Kinder in der Beerengruppe (열매반). Es gibt noch zwei weiter Gruppen, insgesamt sind es knapp ueber 40 Kinder, um die sich fuenf Erzieherinnen kuemmern. Daneben arbeiten hier noch zwei Kunsttherapeutinnen, ein exzellente Koechin, ein Hausmeister/Busfahrer und die beiden Leiterinnen.


Ich erwaehnte vorhin den Unterschied zwischen dem Kindergarten und den Hochhaeusern. Bundang ist allerdings keineswegs eine kalte Stadt aus Beton. Die junge Stadt, die von Beginn an planmaessig angelegt wurde, gilt als eine der lebenswertesten (und wohlhabendsten) Gegenden ganz Koreas. Alle Strassen sind von Baeumen gesaeumt und zwei grosse malerische Parks laden zu einem kleinen Nickerchen ein, zumal das Wetter bis vor einigen Tagen einfach traumhaft war.

Dies sollte erstmal eine kleine Einfuehrung sein. In den letzten Wochen ist sehr viel geschehen, sodass ich mich jetzt mit dem Berichten ranhalten muss, um alles niederzuschreiben. Trotz groesserer Probleme (Visabeschaffung) und kleinerer (die hauseigene Alarmanlage) koennt ihr deswegen bald mit neuen Berichten rechnen. Ich wurde gerne noch mehr schreiben, aber wie euch sicher aufgefallen ist, fehlt das wichtigste, was all die Worte eigentlich ueberfluessig machen wuerde: Photos.
Einige sind bereits beigefuegt, aber bei weitem nicht genug, um all die Eindruecke zu vermitteln und mit E-Mails kann man nicht allzu viele Photos versenden. Einige meiner FSJ-Kollegen haben deswegen Blogs eingerichtet, auf denen man ihre Bilder ansehen kann, aber diese Loesung sagt mir nicht zu, da ja ich euch informieren sollte, nicht ihr euch selbst. Ich bin mit der koreanischen Software nicht sehr vertraut, aber ich versuche, eine Weg zu finden. Falls jemand Loesungsvorschlaege hierzu haben sollte, lasst sie mich wissen.

Ich lerne jeden tag etwas neues, ueber Erziehung, mich selbst und natuerlich die koreanische Sprache. Obwohl mir mein neues Leben manchmal schwer faellt, bin ich euch allen sehr dankbar fuer eure Unterstuetzung, Ratschlaege und Zusprache, die mir das hier ermoeglicht haben!
Ich werde gleich ins Bett gehen, aber vorher noch ein paar englische Lieder fuer die Gitarre ueben, die ich morgen mit den Kindern im Morgenkreis singen kann.

Bis bald,

Hans